Ein Besuch in der Ausstellung „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ im Friedberger Schloss

Rautenwappen und Marktstraßen

28. 08. 2020

Die Landesausstellungen des Hauses der Bayerischen Geschichte gehörten seit Jahren zu den festen, weil beliebten Stationen im Jahresprogramm des Augsburger Presseclubs. Um so mehr gilt dies, wenn die Schau quasi nebenan stattfindet. „Stadt befreit.

„Wittelsbacher Gründerstädte“ heißt die Ausstellung in diesem Jahr, die das Haus der Bayerischen Geschichte zusammen mit dem Landkreis Aichach-Friedberg und den beiden Kreisstädten Aichach und Friedberg zeigt. Veranstaltungsorte sind das Feuer-Haus in Aichach und das unlängst aufwendig renovierte Friedberger Schloss. Eben diesem galt der Besuch einer Corona-bedingt nur 24-köpfigen Gruppe des Presseclubs. Empfangen wurden die Gäste um Presseclub-Vorsitzenden Wolfgang Bublies und seinen Vorgänger Dieter Baur von Natascha Zödi, der Pressechefin des Hauses der Bayerischen Geschichte. Die anschließende Führung in zwei Gruppen übernahmen Richard Fischer aus dem Kuratorenteam und Ernst Weidl, ein beim Presseclub bereits etablierter Museumsführer.

Der Rundgang startete im sogenannten Rittersaal, der durch ein spätgotisches Gewölbe geprägt ist. Die Schau im Friedberger Schloss erzählt laut Fischer, wie und wann Bayern zum Städteland wurde. Das heute so vertraute System der bayerischen Städte und Märkte sei in großen Zügen in einem historisch gesehen kurzen Zeitraum in den Jahren zwischen 1200 bis 1300 entstanden. Mit der gezielten Gründung und Förderung von Städten und Märkten festigten bayerische Herrscher, vor allem die junge Herzogsdynastie der Wittelsbacher, ihre wirtschaftliche, militärische und politische Macht - etwa gegenüber der Kirche. Bischofsstädte waren zur Zeit um 1200 bereits etabliert, Fischer nannte Bezug nehmend auf vorhandene Exponate für den süddeutschen Raum Augsburg, Freising, Regensburg, Passau und Salzburg. Zudem waren damals vor allem Burgen und Klöster prägend. Auch Märkte gab es bereits, dazu zählten München oder Landsberg. In diese Zeit fiel 1180 die Ernennung von Otto von Wittelsbach zum bayerischen Herzog durch Kaiser Friedrich Barbarossa. Damit erhielt der Wittelsbacher quasi königliche Rechte wie etwa die Verleihung von Markt- und Stadtrechten auszuüben. Mehr noch als Otto habe dessen Sohn Ludwig dieses Recht umgesetzt. Resultat waren die Stadtgründungen unter anderem von Landshut, Landau, Deggendorf, Straubing, Ingolstadt, Erding oder Kehlheim. In der Regel hatte es anstelle dieser Städtegründungen bereits Ansiedlungen gegeben. Skulpturen, Urkunden, Verzeichnisse, Wappen, Siegel oder Gemälde aus jener Zeit veranschaulichen in der Remise des Friedberger Schlosses, was damals geschah. Für die Menschen habe das Leben in den neuen Städten viele Chancen geboten: Sicherheit der Person, Schutz des Eigentums, Freiheit des Handels. Und so laute ein bis heute populärer Rechtssatz: „Stadtluft macht frei!“.

„Höllische Gassen, paradiesische Plätze – wie die Städte in die Höhe wuchsen“ nennt sich die dritte Abteilung der Schau, angesiedelt im Festsaal des Friedberger Schlosses mit seinem offenen hölzernen historischen Dachstuhl. Von daher sei dieser Raum geeignet für eine Abteilung, die sich mit dem Spätmittelalter befasst – der Zeit, in der die Städte in die Höhe wuchsen. Auch hierfür stehen verschiedene Objekte der Schau wie Planzeichnungen, Modelle, Werkzeuge, aber auch Textilien oder sakrale Gegenstände.

Erkennbar wird auch, welche Vorteile das Leben in der Stadt bieten konnte: Etwa dank der Stadtmauer, die nicht nur Symbol städtischen Selbstbewusstseins war, sondern auch Schutz bot. Oder der Brunnen als Treffpunkt, als Ort städtischer Öffentlichkeit und Kommunikation. Ganz wichtig: das Spital als Ort der medizinischen Versorgung von verletzten, alten und kranken Menschen. Nicht zuletzt gab es meist einen zentralen breiten Straßenzug – den es im Mittelalter noch nicht gegeben hatte – der Platz bot für vielfältiges Geschehen vom täglichen Markt über den herausragenden Jahrmarkt bis zu den großen Prozessionen des Kirchenjahrs am Palmsonntag oder zu Fronleichnam.

Den Abschluss des Rundgangs bildete ein Film („Wie Bayern zum Städte-Land wurde. Der Bayerische Löwe blickt zurück“) aus der Sicht des bayerischen Löwen aus Deggendorf. Dieses steinerne Wappentier lässt aus seiner Sicht noch einmal die Geschichte der bayerischen Städte unter den über 700 Jahren Wittelsbacher Herrschaft Revue passieren, bis zurück zu den ersten Anfängen. Freilich ist der abschließende Film nicht der einzige Ort, an dem moderne Medien in der Ausstellung Platz finden. Immer wieder gibt es unterwegs Stationen, wo Interessierte sich anhand von Filmen oder Präsentationen eingehender informieren können. Die Ausstellung in beiden Städten ist noch bis 8. November 2020 täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen.

Michael Siegel

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