Zu Gast im neuen Ofenhaus des ehemaligen Augsburger Gaswerks

Brechtiges Theater und Kreativwirtschaft

25. 02. 2019

Sie ist nicht unbedingt eine Vorzeigegegend, jene im Norden des Augsburger Stadtteils Oberhausen, dort, wo viel Handel, Industrie und Gewerbe angesiedelt sind. Prägend sind die mächtigen Gaskessel, Relikte aus vergangener Zeit (das Gaswerk ist inzwischen 102 Jahre alt). Und trotzdem ist jetzt der Nukleus gelegt auf dem ehemaligen Gaswerksgelände für neue Impulse für diesen Stadtteil. Impulse in Sachen Kultur, in Sachen Kreativwirtschaft, in Sachen Start-Ups. 

Zahlreiche Gebäude stehen auf den rund 70.000 Quadratmetern des ehemaligen Gaswerksgeländes. Alle sind Denkmal- und Ensemble-geschützt und seit rund 15 Jahren im Besitz der Stadtwerke Augsburg (swa). Die haben jetzt dort ein erstes Leuchtturm-Projekt verwirklicht, das neue Ofenhaus. Dort, wo einst aus Steinkohle Koks und Stadtgas „gekocht“ wurden, ist jetzt eine neue Spielstätte des ehemaligen Augsburger Stadttheaters (seit Kurzem Staatstheater) entstanden. Neben der Spielstätte „Brechtbühne“ und Werkstätten des Theaters finden sich in dem sechsstöckigen Gebäude Räume des Kulturreferats sowie die neue Gastronomie „Restaurant und Bar im Ofenhaus“ (regulärer Betrieb ab April). Nur wenige Tage nach der Eröffnung im Januar besuchte jetzt eine Gruppe des Augsburger Presseclubs das Ofenhaus. In Empfang genommen wurden die Gäste von Stadtwerkechef Alfred Müllner, Heike Neumann (Kommunikationschefin am Staatstheater Augsburg), Theater-Architekt Hendrik Euling-Stahl, Nihat Anac (Gesamtprojektleiter Gaswerk der Stadtwerke Augsburg), Jürgen Fergg vom Presseclub-Beirat (swa-Pressesprecher) und von Stefan Zaum vom Verein Gaswerksfreunde Augsburg. Sie begleiteten die Besuchergruppe durch das Gebäude, präsentierten die Räumlichkeiten und stellten sich für Fragen zur Verfügung.

Jahrelang hätten die Stadtwerke vor allem hohe Unterhaltskosten für das Gaswerksgelände gehabt, so Nihat Anac und Jürgen Fergg, niemand wusste so genau, was mit dem Gelände werden sollte. Dann kristallisierte sich eine Nutzung für Kultur, Festivals, Veranstaltungen und für neue Firmengründungen (Start-ups) heraus. Und seit Kurzem ist das Ofenhaus ein Anlaufpunkt für die Stadtgesellschaft. Wer das bei Dunkelheit an eine beleuchtete Kirche erinnernde Gebäude betritt, erreicht „Bar und Restaurant im Ofenhaus“ des Augsburger Szenegastronomen Tobias Emminger. Und er betritt ein Lokal, dessen Raumhöhe, 19 Meter (!), wohl nur Biergärten übertreffen. Sechs Stockwerke hoch, bis unter das Dach ist der Raum, der rund 90 Gästen (Sitz)Plätze bietet. Was Emminger und sein Team den Gästen genau an Küche bieten werden, verrät der Gastronom noch nicht, aber es solle regional und nachhaltig geprägt sein. Denn Emminger will nicht nur den Theaterbesuchern Verpflegung vor und nach den Vorstellungen bieten, sondern er will auch ein Restaurant für die Nachbarn und für Gäste von überall her etablieren.

Der Platz im Erdgeschoss des Ofenhauses, der nicht dem Restaurant zuzählt, ist für Werkstätten des Theaters (Schmiede, Schreinerei) eingerichtet. Einmal die Treppe hinauf erreicht man die neue Brechtbühne des Augsburger Staatstheaters. Wer die Vorgänger-Bühne, einen Containerbau neben dem Theater Augsburg kennt, wird sich vielleicht erinnert fühlen. Nach Worten von Theater-Architekt Hendrik Euling-Stahl habe man versucht, möglichst vieles von der alten in die neue Brechtbühne mitzunehmen. Viel gespart worden sei gegenüber einem völligen Neubau wohl nicht, „aber wir sind nicht teurer geworden und irgendwo muss man eben mit Nachhaltigkeit anfangen“, so der Bau-Experte. Das betrifft nicht nur das Gestühl (statt 245 hat die neue Brechtbühne jetzt noch 219 Plätze), sondern auch den Bühnenturm und vielerlei technische Einrichtungen. Im dritten Stock des Ofenhauses bietet das Augsburger Kulturreferat Räume für bildende Künstler, die in der nächsten Zeit bezogen werden können. Weiter die Treppe rauf erreicht man das vierte Geschoss. Zentrales Element hier: der Malsaal des Theaters, 240 Quadratmeter groß, und sehr zur Freude der Nutzer laut Theater-Pressesprecherin Heike Neumann mit einer ordentlichen Galerie, von der aus man einen guten Blick auf die Bühnenhintergründe hat. Und man hat neben Kunst- auch viel Tageslicht, um die Wirkung der Farben bestens zu setzen.

Dann schließlich, ganz oben im Ofenhaus, finden die Augsburger Ballett-Künstler ihren Raum: einen Tanzsaal mit 300 Quadratmeter Fläche, Spiegelwand, Kuppeldach - und Himmelblick. Laut Heike Neumann dürfte es sich um einen der besten Säle seiner Art überhaupt handeln, schwer vorstellbar, diesen Platz je wieder zu verlassen.

Aber das Verlassen, so wurde es erklärt, wird zu einem regelmäßigen Bestandteil der neuen Gaswerks-Konzeption gehören. Denn so, wie die Theater-Künstler die Stätte wieder verlassen werden, wenn das neue alte große Haus am Kennedyplatz wiederhergestellt ist, so sollte es mit manch anderem Nutzer funktionieren, den das Gaswerk in eine erfolgreiche Zukunft entlässt. Und Anfragen für eine Nachnutzung mancher der Räume des Theaters im Ofenhaus liegen heute (so kurz nach dem Einzug) schon vor. Acht bis zehn Jahre wollen die Stadtwerke die Entwicklung des gesamten Gaswerk-Geländes wachsen lassen, bis dann werden die ersten Nutzer ihren Platz schon wieder geräumt haben.

Abschließend wurde die Besuchergruppe des Presseclubs von der (guten) Imbiss-Qualität der Ofenhaus-Küche und von der Aufenthaltsqualität in dem neuen Restaurant überzeugt.

Michael Siegel

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