Zu Besuch in der Sonderausstellung des Augsburger Diözesanmuseums in Sachen der ersten Augsburger Druckwerke

Augsburg macht Druck

27. 04. 2017

Um 1450 erfand Johannes Gutenberg in Mainz den modernen Buchdruck mit beweglichen Lettern. Die Erfindung war ein Hit – vielerorts in Europa wurden in den nächsten Jahren Druckereien gegründet. Ganz vorne dabei war Augsburg, wo bereits im Jahr 1468 (dem Todesjahr Gutenbergs) das erste Buch gedruckt wurde. Über die Anfänge des Buchdrucks in Augsburg und regionale Besonderheiten informiert derzeit die Sonderausstellung „Augsburg macht Druck“ im Augsburger Diözesanmuseum (Kornhausgasse 3 – 5). Der Presseclub besuchte diese Schau mit rund 50 Ausstellungsstücken, die noch bis 18. Juni zu sehen ist. Sachkundiger Leiter der Besuchergruppe war der Buchwissenschaftler Dr. Hans-Jörg Künast.

Künast („für mich ist das Buch bereits in seiner Materialität eine wichtige Quelle") wies auf die Besonderheit der Ausstellung hin, dass nämlich sämtliche Exponate der Schau aus Beständen der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek, der örtlichen Universitätsbibliothek sowie aus dem Diözesanmuseum stammen. Neben Oberitalien und dem niederländisch-belgischen Raum war Augsburg eines der Zentren der frühen Buchdruckerei. Die ersten Drucker seien zugleich auch Verleger und Buchhändler gewesen, so Künast. Eines ihrer Hauptanliegen sei die Beschaffung von geeignetem Papier gewesen, das für Augsburg damals vor allem aus Reutlingen und Ravensburg gekommen sei.

Charakteristisch für Augsburger Bücher aus dieser Zeit war ihre kunstvolle Illustration beispielsweise durch beigedruckte Holzschnitte oder die Verzierung durch Miniaturen. Eine weitere Augsburger Besonderheit: Schon im 15. Jahrhundert war Augsburg die einzige Stadt des deutschen Sprachraums, in der mehr Bücher auf Deutsch als auf Lateinisch (der damaligen Bildungssprache) erschienen sind. Neben dem Fehlen einer Universität sei die Bedeutung von Laien gegenüber dem Klerus in der Stadt hoch gewesen. Das hatte auch einen großen Einfluss auf die Art der Druckwerke in der Stadt vor über 500 Jahren: So war Ratgeberliteratur gefragt und wurde viel gedruckt. Die Ausstellung zeigt beispielhaft Johann Wonneckes „Gart der Gesundheit“, ein frühes Kräuterbuch, einen Ratgeber für die Hausapotheke. Auch Reiseliteratur wurde gedruckt, realistische ebenso wir fiktive. Hier zeigt die Ausstellung etwa „Die wunderbare Meerfahrt des hl. Brandon“, eine fiktive Geschichte gedruckt von Hans Sorg 1476. Und während manche der Bücher erhebliche Ausmaße haben, zeigten die Drucker schon in den Gründerjahren ihrer Zunft, dass es auch klein ging: Mit nur 12,3 mal 8,8 Zentimetern Größe ist das „Gebet- und Stundenbuch“ von 1471 des ersten Augsburger Druckers überhaupt, Günther Zainer, eine echte Miniatur. Und es ist war das erste Gebetbuch in deutscher Sprache überhaupt. Noch kleiner sind die wahren Bestseller der damaligen Zeit, Ablassbriefe. Während Bücher anfangs mit Auflagen von 200 bis 800 Exemplaren auskommen mussten, sind laut Künast Bestellungen von Ablassbriefen in einer Anzahl von 20.000 erhalten. Hier zeigt die Sonderausstellung das Exemplar „Ablassbrief zum Besten des Kampfes gegen die Türken und der Verteidigung von Rhodos“ aus dem Jahr 1486. Eine Leerzeile ist vorhanden, Platz für den Namen des Geldgebers. Apropos Briefe: Von Dr. Künast erfuhren die Gäste des Presseclubs, dass die ersten Druckwerke nur aus den bedruckten Papierbögen bestanden. Anschließend oblag es dem Käufer, sein Buch komplettieren zu lassen. Beispielsweise durch kunstvoll gestaltete Initialen vom Rubrikator. Oder durch einen wertvollen Einband, den der Buchbinder hinzufügte. Nicht nur das habe die ersten Bücher zu Unikaten gemacht, so der Buchwissenschaftler, sonder auch der verbreitete Brauch, handschriftliche Anmerkungen ins Buch einzufügen.

Auch über die wirtschaftliche und soziale Situation von Drucker und Lesepublikum gab es Interessantes zu hören. Kostete laut Künast eine Gutenberg-Bibel anfangs noch 25 Gulden und damit so viel, wie ein Handwerker im Jahr verdiente, so halbierte sich der Preis für eine Bibel fast jährlich, sodass man schon bald eine um 5 Gulden erwerben konnte. Und dafür, dass gelesen werden konnte, war gesorgt. Nach Schätzung des Buchwissenschaftlers habe bereits zu Gutenbergs Zeit jeder zehnte Augsburger lesen können (ähnlich waren die Verhältnisse in anderen Städten). Neben Klerus und Adel (Deutsch und Latein) gehörten dazu auch Kaufleute und Handwerker. Und zieht man die Anzahl von Schulen in der Stadt zur Rate, so sei davon auszugehen, dass ab 1530 sogar jeder dritte Augsburger des Lesens auf Deutsch mächtig war.

Dass die Kirche ein wichtiger Partner der Drucker war, zeigt das Beispiel von Erhart Radolt. Ausgestattet mit einem Quasi-Monopol konnte sich der geborene Augsburger als Drucker aus Venedig kommend in Augsburg niederlassen und dort seine besonders kunstvoll gestalteten Bücher herstellen. Zu sehen in einer eigenen Vitrine im Untergeschoss des Diözesanmuseums.

Zu der Sonderschau ist ein Ausstellungskatalog erhältlich: Er ist reich illustriert und verständlich, aber durchaus mit einem wissenschaftlichen Forschungsansatz formuliert und zum Preis von 29,80 Euro beim Diözesanmuseum erhältlich.

Michael Siegel

Augsburg macht Druck

Die Sonderausstellung im Diözesanmuseum in der
Kornhausgasse 3 – 5 (nördlich an den Augsburger Dom angebaut) , 86152 Augsburg, ist noch bis 18. Juni (Ende der Pfingstferien) zu besichtigen. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr, am Sonntag (nicht Pfingstsonntag!) von 12 bis 18 Uhr. Nähere Infos und Anmeldung für Führungen (empfehlenswert) unter
Telefon 0821 / 3166 8833 oder unter www.museum-st-afra.de